Wilhelma - Elefantendame Vilja tot

Wilhelma - Elefantendame Vilja tot

Beitragvon Heike » 12. Jul 2010, 20:04

11.07.10

Die Wilhelma trauert um Elefantenkuh Vilja

Am Samstag, dem 10. Juli 2010, gegen 16 Uhr starb Vilja, Europas älteste Elefantenkuh. Erst letztes Jahr hatte die Wilhelma ihren 60sten Geburtstag gefeiert. Jetzt trauert die ganze Wilhelma um die Elefantendame.

Eine Tierpflegerin hatte Vilja beim Vorbeigehen auf der Außenanlage stehen sehen. Als sie kurz darauf, von Besuchern alarmiert, zurückkam, fand sie die Elefantin im Graben des Geheges liegend. Dort konnten die Elefantenpfleger wenige Minuten später nur noch ihren Tod feststellen. Besucher berichteten daraufhin, Vilja sei plötzlich auf der Anlage mit den Vorderbeinen eingeknickt, zusammengebrochen und dann in den Graben gerutscht. Andere Besucher berichteten dagegen, einer der anderen Elefanten habe Vilja geschubst. Bei der Bergung des toten Elefanten half die Feuerwehr, so dass ein Tierärzteteam des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart (CVUAS) in Fellbach und ein Tierarzt der Wilhelma noch am späten Nachmittag mit der Untersuchung beginnen konnten. Nach dem ersten Sektionsergebnis hat Vilja einen Kreislaufkollaps erlitten und ist daran schnell verstorben. „Auch wenn wir sehr traurig sind, so können wir also zumindest sicher sein, dass Vilja sich nicht lange hat quälen müssen“, so Wilhelma-Direktor Professor Dieter Jauch.

Wie Pfleger Volker Scholl berichtete, hatte Vilja in den Tagen vor ihrem Tod keine Anzeichen für eine Erkrankung oder besondere Schwäche gezeigt: Zwar hatte sie im letzten Jahr altersgemäß weiter abgebaut, aber in den letzten Tagen sei sie für ihre Verhältnisse besonders „fit“ und aktiv gewesen und hatte sich noch am Samstagvormittag ausgiebig mit kühlendem Schlamm beworfen.

Im Januar 2008 war die Feuerwehr schon einmal für Vilja im Einsatz gewesen. Damals war die be­tagte Elefantenkuh von einer Artgenossin geschubst worden und in den Graben gestürzt. Sie konnte jedoch in einer spektakulären Rettungsaktion mit Hilfe eines Kranes so gut wie unverletzt geborgen werden. Seither hatten die Tierpfleger sie mit Spezialfutter aufgepäppelt und viel Rücksicht auf ihre diversen Altersbeschwerden und Verwöhnwünsche genommen. So durfte Vilja morgens oft länger im Haus bleiben, um ihre Futterration „unbelästigt“ verspeisen zu können. Anfangs, nach dem Graben­sturz 2008, hatte man ihr zudem aus Sicherheitsgründen eine abgesperrte Zone fernab vom Graben eingerichtet. Dort war sie jedoch von den anderen Elefanten isoliert und in ihrer Bewegungs­freiheit eingeschränkt, was ihre Lebensqualität minderte, so dass man sie später wieder ins große Gehege ließ.

Vilja gehörte zu den bekanntesten Tierpersönlichkeiten im Zoologisch-Botanischen Garten, den sie 1952 noch als Jungtier bezogen hatte. Die gesamte Wilhelma, insbesondere ihre Pfleger, und sicher auch viele Besucher werden sie sehr vermissen.

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Die Vilja-Story: Stationen eines langen Elefantenlebens

Seit 1952 lebte Vilja in der Wilhelma. Und von Beginn an und jahrzehntelang war sie die unangefochtene Chefin im Elefantenhaus der Wilhelma. Geteilt hatte sie das Heim zunächst mit der ebenfalls 1952 eingetroffenen „Zella Eins“ sowie der afrikanischen Elefantenkuh Jumbo, die 1955 zur Gruppe stieß. Die erste Dickhäuteranlage war jedoch relativ klein, lag im unteren Teil der Wilhelma neben dem Giraffengehege und nur zwei Reihen Eisenstangen trennten die Tiere damals von den Besuchern. Hier bestand Vilja auch ihre erste Feuerprobe als Überlebenskünstlerin, als im Winter 1952 nachts im Elefantenhaus Feuer ausbrach. Der damalige Tierpfleger Werner Freund schaffte es jedoch, die vor Angst tobenden Tiere zu beruhigen und ins Freie zu bringen. Bis heute begrüßt Vilja ihren Retter freudig. Allerdings dürfte auch die stets mitgebrachte Leckerei keine unwichtige Rolle dabei spielen. Gilt Vilja doch seit jeher als „Leckermaul“, das für einen schönen Apfel alles täte ...

1968 dann war das neue Elefantenhaus endlich fertig, zur Eröffnung trafen drei weitere asiatische Elefanten ein: die beiden Kühe Molly und Pama – beide damals etwa zwei Jahre alt – sowie der einjährige Bulle Mysore, den das Ministerium als Staatsgeschenk aus Indien erhielt. Allein die eigenwillige Vilja wollte von einem Umzug nichts wissen und wehrte sich mit Rüssel und Füßen: An einen Lastwagen gebunden sollte sie auf eigenen Beinen gen neues Heim wandern, was vorher sogar eigens trainiert wurde. Doch als es darauf ankam, war sie ängstlich, sträubte sich und legte sich alle zwei Meter hin. Nun erlitt der LKW, an den Vilja zuvor gewöhnt worden war, obendrein einen Getriebeschaden. Also musste ein zweiter LKW vorgespannt werden, um den ersten samt Vilja abzuschleppen. Aber auch der war chancenlos gegen nur eine „Vilja-Stärke“ und so mussten obendrein zwei Unimogs als Zugpferde her, um den ganzen Tross Meter für Meter zur neuen Anlage zu ziehen. Mit vier Fahrzeugen und einem Elefanten wurde die Aktion so zum Um-Zug im doppelten Wortsinn.

1972 kam die 1967 geborene „Zella Zwei“ an und folgte damit der kurz zuvor verstorbenen „Zella Eins“ nach, Jumbo lebte noch bis 1980 in der Wilhelma. Bis vor ungefähr zehn Jahren blieb Vilja die Chefin im Ring, schlichtete bei Bedarf und sorgte so für Ruhe und Ordnung im Stall. Erst als sie altersbedingt hinfälliger wurde, übernahm Molly immer mehr ihre Rolle und damit die Macht, Vilja zog sich langsam in den „Ruhestand“ zurück. Nur an ihrer Sturheit und ihrem grenzenlosen Appetit änderte sich nie etwas. Futter ging stets vor: Keine ihrer Artgenossinnen ist so findig wie sie es war, wenn es darum ging, eine Belohnung zu ergattern. Sei es bei kleinen Tauschgeschäften à la „fades Holzstück gegen leckeren Äpfel“, sei es indem sie ein angemessenes „Honorar“ für kleine Dienstleistungen forderte. So sammelte sie etwa – ganz Ordnungsliebe vorschürzend – herumliegendes Werkzeug, Reinigungsgeräte und leere Futtereimer ein, lieferte sie beim Pfleger ab und erwartete entsprechende Dankbarkeit. Mitunter hatte sie sich allerdings auch schon Dinge einverleibt, die nicht eben in einen Elefantenmagen gehören: darunter eine komplette Handtasche samt Fotokamera und eine Lederjacke. Doch zum Glück passierten sogar diese Dinge Viljas Verdauungstrakt, ohne Schaden anzurichten.

Bis zum 10.7.2010 blieb sie eine pfiffige alte Dame, die immer genau wusste, was sie wollte. Kein Wunder, denn ihr Name bedeutet im Schwedischen und Finnischen so viel wie „Wille“. Dass gerade Vilja aber einen eisernen eigenen Willen besaß, hat sie in ihrem langen Leben vielfach bewiesen.
Quelle: http://www.wilhelma.de/de/aktuelles-und ... vilja.html

Traurig, aber mit 61 Jahren hat sie ein wirklich langes Leben gehabt und dieser schnelle Tod ist gnädig.
R.I.P. Vilja
Nein, ich bin nicht verrückt, nur verhaltensoriginell.

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Re: Wilhelma - Elefantendame Vilja tot

Beitragvon Katrin » 12. Jul 2010, 22:50

Wie tarurig!
R.I.P. Vilja :cry:
Aber es war ein langes Leben und und durftest würdig ohne lange Qualen sterben!
Es ist nicht notwendig verrückt zu sein, aber es hilft.
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